Tag 7
21. August 2009 - 8:13 — Udo Kewitsch
Final Day. Ja. Eigentlich immer wieder ein phantastisches Gefühl. Man wacht auf und spürt: heute passiert es. Heute ist Lago-Day. Euphorie und auch ein Quantum Demut macht sich breit. Noch sind wir nicht da. Im Gegensatz zu einigen meiner bisherigen "Zieleinläufe" habe ich die Latte dieses Mal hochgelegt. Genauer gesagt auf den Gipfel des Bocca dell´Ussol. Hätte ich gewusst was uns erwartet, hätte ich mich auch gerne für die Warmduscher-Etappe über den unspektakulären Passo Duron entschieden. Aber, alte Alpencrosser Weisheit: wir fahren am (GPS)Track entlang, komme was wolle.
Also nehmen wir unser spärliches Zwieback-Frühstück im Albergo in Anspruch und satteln kurz darauf unsere äußerst braven und willigen Centurion-Bikes, sowie das Scott von Renate. Und ich sag noch: "es könnte steil und unwegsam werden". Die vorabendliche Konsultation der Kompass Karte brachte es ans Abendlicht: eine gestrichelte, die Höhenlinie kreuzende Wegführung bedeutet: unwegsam, steil und schwer. Doch zunächst verläuft die Route relativ zahm durch einen schattigen Wald und erst ab ca. 1300m entpuppt sich die Rampe zusehends als steil. Ab dem Schild nach Malga Gavadina (1342m) wird es steilst und schließlich dann ab Malga Alta (1663m) eigentlich unfahrbar. Wir müssen der Wandermarkierung entlang den Wiesenhanges hinauf bis auf die kleine Scharte des Bocca dell´Ussol (1878m) folgen, um festzustellen: hier haben nicht einmal zwei Bikes Platz. Der Wind pfeift sein Alpencross Lied, der nebenan liegende Gipfel auf gut 1900m wird schnell mit in Angriff genommen - per Pedes.
Der Blick hinunter stimmt uns jedoch wenig euphorisch. Ein äußerst schmales Weglein entlang der sehr schräg verlaufenden Bergflanke lässt erahnen, dass es sich nicht um "gemütliches Abfahren" sondern um - das Roadbook verrät es uns - knapp 700 Höhenmeter unwegsamsten Pfad, der nur zum Teil fahrbar ist, handelt. "Cracks only" hätte man auch beschildern können. Oje. Meine Damen fluchen, Max kämpft sich wacker vorwärts. Vergangene Muren- und Lawinenabgange machen das ganze schön wild und urtümlich, aber keineswegs komfortabler. Es hilft nichts, der Devise "immer am Track lang" kommt nun eine neue Dimension zu. Die sich zusammenbrauenden tiefgrauen Wolken über uns tragen zur Stimmung nur latent bei und so sputen wir uns auf unserem mühsamen Weg hinunter ins Tal nach Lenzumo.
Kurz bevor wir den kleinen Ort erreichen lässt der liebe Herr Gott es kacheln, was das Zeug hält. Eine Dusche ist nichts dagegen. Wir kauern uns unterem einem äußerst spärlichen Dachvorsprung unter ... Mensch, Final Days haben kein schlechtes Wetter. Ich selbst leide. Nur im Südosten ist ein Zipfel blauer Himmel erkennbar. In diese Richtung müssen wir doch? Also rauf aufs Bike, Regengarnitur an und durch alle Pfützen auf den Weg zum Lago. Wehe es regnet dort.
Vorbei am Lago di Ledro wird Petrus sanft, nur noch der Teer ist regennass und als wir die 998m kurz vor Pregasina durch den Tunnel fahren, ist es Gewissheit: halbwegs blauer Himmel. Ich sagte es bereits 2007: wer über die Ponale Strasse nach Riva einläuft, der hat den allerschönsten Weg gewählt, wo gibt. :-) So auch 2009. Für Renate und Max ist es AlpX-Premiere, Silvia hat den Ritterschlag schon 2008 erhalten. Alle Augenpaare leuchten, das Herz hüpft, bei mir macht sich marginal die Ungeduld breit. Ich möchte nur noch am Hafenbecken anschlagen und mein Weißbier und den legendären Coppa Yoghurt bestellen - wie immer.
Als wir um 16.30h an der Hafenmauer ankommen, schleicht sich üppig stolzes Grinsen in unsere Gesichter. Die Sonne scheint und die Endorphine suchen sich gerade ihren Weg durch unsere Körperbahnen. ..... Die X-Bionic Wear ist jedoch so konstruiert, dass dieses Glücksgefühl im interne Glückskästchen und im persönlichen Speicher vollumfänglich erhalten bleibt - da dampft nichts von aus. Das bleibt einem. Der Blog ist noch nicht zu Ende! Aber erst einmal lassen wir die Endorphine in Ruhe hüpfen ... dann folgt ein Fazit und dann freue ich mich natürlich über viele und zahlreiche Kommentare und gerne auch auf eine lebhafte Diskussion.
Tagesdaten: 45 km, 1450 Höhenmeter, Fahrzeit 4:39h
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