Tag 1 – Traumtrail Tag (Königswetter Tag)

Locarno (1.Lago Maggiore) – Quartino – Alpe Foppa – Monte Tamaro – Basso Indemini – Arosio – Cademario – Val Agno - Vezzia   Wir frühstücken dem Wetter entsprechend königlich. Startschuß. Was die kommenden Tage bringen werden, ist ungewiss. Zumindest der Wetter-Forecast bescheinigt gute Aussichten, die Stimmung ist bestens, dass Material perfekt und die Kondition stabil, auch wenn Werner vorgibt „fast nie in den Bergen gewesen zu sein“. Sei´s drum, mitgefangen, mitgehangen. Da müssen wir nun durch. Die Südseite der Alpen und somit unser Seensüchtig-Cross ist kein Tummelplatz für tausende Biker, so gesehen wird es eine einsame – aber hoffentlich sonnige - Woche werden.   Entlang der Uferstraße stellen sich bereits erste Hindernisse in den Weg. An jeder Ecke ist der Blick schöner, jede Weggabelung offenbart neue Perspektive, wir schaffen so nur mühsam einen 10er Schnitt (auf der Ebene wohlgemerkt). Schöne Häuser hier, verträumte romantische Gärten dort, Blicke über den See und in die Berge – wohin nur mit all unserem Glück und vor allem: woher sollen wir für die noch kommenden 98% der 7Seen-Tour den Speicherplatz nehmen? Nachdem wir den Gugg&Stopp&Gugg Modus halbwegs überwunden haben, wartet in Quartino eine Überraschung der ganz anderen Art auf uns. War bis hierher Beschaulichkeit pur angesagt, geht es nun auf einmal rampenartig und steilst hinauf. Dem nicht genug. Zigtausende faust- und kopfgroße Kieselsteine säumen den breiten Karrenweg, dessen Überwindung sehr, sehr kräftezehrend ist. Wir beißen uns fest, Werner (der fast nie in den Bergen war) lässt sich nicht beirren und nimmt Rampe um Rampe, Kehre um Kehre. Ich schone meinen Puls, auch schiebend ist es schon mühsam genug. Die ca. 400 Höhenmeter gehen so elend langsam vorüber und so richtig Strecke gemacht haben wir bisher nicht. Auch als wir oben an der Bundesstraße münden, diese kurze darauf verlassen und weiter Richtung Monte Tamaro rollen, bleibt die Routenführung anspruchsvoll.   Hinauf geht es zum Monte Tamaro, einem Buckel, der per Gondel gut erreichbar ist und der sich insbesondere bei Downhillbikern größter Beliebtheit erfreut. Vereinzelt ist nunmehr schon der Lago Lugano zu erblicken, bei strahlend blauem Himmel ein besonders schönes Ereignis. Die zahlreichen Aussichten in alle Himmelsrichtungen sind nicht minder schön, alles in allem ein perfekter – wenngleich äußerst mühsamer - Auftakt.   Nächster Stopp am Rif. Tamaro, jene kleine Hütte auf 1881m, die frisch umweht von nepalesischen Gebetsfahnen uns eine deftige Schweizer Jause und somit eine willkommene Rast verschafft. So, Werner, fasten seat belts. Wir sollten uns mal auf die Abfahrt freuen. Von wegen. Noch geht es bergan und der weiterführende Weg wird schmäler und schmäler und schrumpft schließlich auf Rinnsalgröße. „Tragen und Stoßen“ wie die Schweizer zu sagen pflegen ist angesagt. Wir buckeln die Bikes auf knapp über 2000m und halten einmal mehr inne. A) weil es hier so schön ist, b) weil wir einfach um Atem ringen. Crossen kann mitunter anstrengend sein, aber so schön.   Jetzt endlich geht es bergab. Was eben noch Trail war, bleibt nun erst recht ein Trail. Schlank und schmal führt der Steinpfad, zunächst bockig, dann zunehmend freundlicher ins Tal. Maximal lenkerbreit, mal steinig sanft, mal waldboden-weich, immer wieder mit Bierkasten-hohen Stufen, aber stet gut beherrschbar. Phantastisch. Wir jauchzen und grooven abwärts, die Bremsen klingeln, die Federelement vorne und hinten haben Stress. Konzentration ist vonnöten. Wahnsinn. Wahnsinnig schön.   Das GPS Gerät signalisiert „rechts halten“. Wir halten rechts und werden nochmals belohnt. Weihnachten und Ostern an einem Tag, wann hat Biker das schon mal? Erneut ein Sahnetrail ins Val Agno. Noch einen Kick sanfter, weil hauptsächlich auf Waldboden, dennoch mit der einen oder anderen Wurzel im Weg. Bislang waren 95% der Abfahrt fahrbar, entsprechend glücklich unser Wohlbefinden. Rausch der Sinne, die Millionen faustgroßen Steinrampen sind Vergangenheit. Mittlerweile grinst uns auch der Luganer See frech hinauf zu uns als scheint er zu frohlocken „na, wo bleibt ihr denn endlich?“.  Als wir an der Hauptstraße münden und nur noch einen kleinen ‚Asphaltbuckel in Richtung Lugano (Abzweig Vezzia) zu bewältigen haben, meldet sich die Abenddämmerung an. Der Tacho zeigt 57Kilo- und 2151 Höhenmeter.   Mein Logbuch meldet für Tag1 rückblickend, O-Ton: ein Hammertag, ein Wahnsinns-Track, die Momente wertvollst, mühsam, aber umwerfend gigantisch, kurzum: Superlativ ist das passende Wort. Dem ist auch nichts mehr hinzufügen.

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