Epilog

Großer Gott. Auch dieser Abend war wieder eine Wucht. Edel gehen die Crosser in Badeschlappen zum Essen, es gibt Seewolf, Salat und eine Flasche Vino. Anschließend setzen wir uns mit einem gepflegten Grappa an die Kaimauer des Lago und zaubern die „mitgeschleppte“ Zigarre hervor, die es nun gilt stilecht herunter zu rauchen. Der obligate Gang in die WindsBar gleicht einem „sehen und gesehen werden“ und einem mehr oder minder fragwürdigen „who´s who“ Spiel in der Torboler Szene. Aber schön ist´s schon. Wir feiern unseren Cross – der Absacker im „Cutty Shark“ gehört dazu, mittlerweile haben sich uns ein paar Biker angeschlossen. Von Didi & Peter keine Spur – sie werden doch nicht den Track suchen.   Der kommende Morgen beginnt anders als gewohnt. Normalerweise stünde der ultrafrühe Start mit dem Bike nach Rovereto und eine ungewisse Bahnfahrt auf dem Programm – aber wir sind schlauer und haben einen Shuttleservice gebucht. Abfahrt 9.00h. Alle Zeit der Welt für ein entspanntes Frühstück mit Omelette und allem was das Biker-Herz begehrt. Der Fahrer erscheint überpünktlich, hat aber eine Hiobsbotschaft im Gepäck. Unsere Tour ist über Garmisch, Oberstorf und München umgeleitet, wir werden die letzten sein, die in Rosenheim aussteigen. Wir gehen in ernste Klausur. Daheim warten Frau und Kind. Was tun? Wir entscheiden uns für eine 50/50 Lösung und entschließen bis Innsbruck den Shuttle in Anspruch zu nehmen und ab dort „schnell“ mal mit der Bahn bis Rosenheim zu düsen. Ok, ab ins Zimmer, packen. Räder einsammeln. Gebongt. Räder? „Werner, sieh dir das mal an, das gibt es doch nicht, 3:2 in letzter Minute.“ Ich habe einen Platten – frag mich nicht woher. Wir flicken zum fünften Male.   Die Fahrt über die Brennerautobahn verläuft trotz teilweise starkem Verkehrsaufkommen reibungslos und geht flott von dannen. Bahnhof Innsbruck, kein besonders heimeliger Ort. Schnell die Bikes und Rucksäcke raus, die Erinnerung von letztem Jahr sagt uns „irgendwann vor 13Uhr geht der Zug“. Wir spurten los. Punkt 12.39h stehen wir am Bahnsteig. Kein Witz, der Fahrplan gibt Auskunft: „12.38h Abfahrt Rosenheim“. Der nächste Zug geht in ca. 1 Stunde. Auch ok, Wir holen uns eine Semmel und Apfelschorle und verbummeln die Zeit. Im Zug sitzend fängt nunmehr der gemütliche Teil an. „Komm Werner, lass uns Diashow machen“. Werner nickt zustimmend, die Akkus unserer Kameras sind schließlich randvoll und die gute Stunde Zugfahrt kann besser nicht überbrückt werden. Werner kramt nach seiner Handytasche und der darin enthaltenen 4GB Chipkarte, die er gestern 10Kilometer vor dem Ziel „vollgeschossen“ hatte. Ich ernte einen entsetzten, aber ebenso sprach- wie ratlosen Blick. „Udo?? – Ey, wo ist die Karte?“ „Na, im Rucksack wohl, guggst Du mal genau!“ rate ich und runzele besorgt die Stirn. Werner guggt genau und findet nur die panischen Worte „Scheiße, weg!“. Mann, Mann, Mann. Weg. Einfach weg.   Circa. 600 allerfeinster Pictures und mindestens 10 tolle Videos sind weg, irgendwo im Innsbrucker Nirvana. Was tun? Wir zünden alle Gehirnzellen, aktivieren den Lokführer zu einer Konferenzschaltung, die Hotline für Bahncardkunden und überlegen sogar, auszusteigen und zurückzufahren. Aussteigen? Ja, komisch, der Zug steht bereits seit 15 Minuten. Das haben wir im Eifer des Gefechts gar nicht bemerkt. Der Schaffner gibt Auskunft „ja wo der Chip ist, wisse er nicht, aber es hat einen Selbstmörder auf der Strecke gegeben, die Strecke ist für ca. 3 Stunden gesperrt.“ Hallo? Geht’s noch? Was tun. Wir kalkulieren alles durch, die Chancen die Karte zu finden, die Chance heute noch daheim anzukommen – hätten wir doch den seligen Shuttleservice genutzt, wir Dilettanten. Ok, wir tun das, was wir anscheinend immer tun müssen, auf den von uns gelösten Bahnstrecken: wir biken. Die folgenden ca. 25 Kilometer nach Kufstein nehmen wir im Galopp, wer weiß wann der Anschlusszug geht. In Kufstein angekommen, hasten wir durch die Innenstadt, ich spüre am Fahrstil und –tempo dass Werner innerlich lodert, ob der verloren gegangenen Chipkarte. Wuchtig knallt er auf den Bordstein um die Ampel lässig zu umgehen. Zack, Peng, 3:3. Dies sollte der letzte Plattfuss des Crosses 2010 sein.  

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